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Die Zeichen stehen auf Abschied

29 Jul
Die Zeichen stehen auf Abschied

Hach, was eine Wehmut, gleich im Titel – schnief! Aber gut, was soll man machen, in allen Belangen wird für mich immer deutlicher, dass der Abschied von Costa Rica ziemlich nahe ist: Der Blog mit den Artikeln der Abschieds-Reihe, der wohl letzte Besuch im Paradies (Karibik) und die ersten Abschiedsfeiern. So langsam mutiert man auch wieder zum Gepäck-Logistiker und selbst die ersten Tagen und Wochen in Deutschland sind von hier aus schon größtenteils verplant.

Last visit to paradise – mein Titel für das vorletzte Wochenende, an dem ich mich mit meiner Mitfreiwilligen Alex noch einmal auf den Weg in die Karibik machte. Es ging nach Puerto Viejo, einem zwar sehr touristischen, aber dennoch entspannten Fleckchen Erde mit Traumstränden, leckeren Restaurants und netten Hostels. Wir wählten dieses Mal das Pagalú Hostel (typischer Empfang auf Spanisch, dann auf Englisch weiter geredet, bis sich herausstellt, dass man einen Schweizer vor sich hat…). Kulinarisch verwöhnen – eine letzte Abwechslung von Reis und Bohnen – ließen wir uns im Chile Rojo Restaurant (Selbstbezeichnung: Thai Fusion Küche): Sushi und Steak in Teriayki-Sauce oder auch vegetarische Platte mit libanesischen Spezialitäten und das alles in Costa Rica. Sind das jetzt die positiven Folgen der Globalisierung? Wir haben es zumindest genossen, genauso wie die Karibikstrände, auch wenn das Wetter das Paradise-Feeling ein bisschen schmälerte: Der Himmel wollte einfach nicht blau werden!

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Ein großes Highlight war der Besuch im Jaguar Wildlife Rescue Center. Schon länger wollte ich eins von den zahlreichen Rescue Centern, die es hierzulande gibt, besuchen. Zum Einen, weil man damit die wertvolle Arbeit der Zentren unterstützt und zum Anderen, weil man hier verdammt viel über die Flora und Fauna des Landes lernen kann. Beides galt auch für diesen Besuch, selbst wir Halbticos bzw. -ticas konnten noch eine Menge lernen, hatten aber natürlich auch großen Spaß dabei, uns von Affen beklettern zu lassen oder den Faultier-Babys beim Muskelaufbau im Klettergerüst zuzugucken, der sie auf die Auswilderung vorbereiten soll. Denn, und dies ist natürlich das wichtigste an diesen Rescue Centern, jedes Tier, dass verwundet, verstoßen oder warum auch immer ins Rescue Center gebracht wird, soll nach dem Aufpäppeln wieder ausgewildert werden. Zwar ist das bei einigen Tieren entweder durch Verletzungen (Tuki, der flugunfähige Tukan, hüpfte lustig den Besuchern hinterher über das Gelände, kann aber so natürlich nicht in der Wildnis überleben) oder durch zu große Gewöhnung an den Pfleger nicht mehr möglich. Aber die Mehrzahl der Bewohner schafft den Sprung zurück in die freie Natur. Hier noch ein paar Bilder aus dem Rescue Center, mit garantiertem ’süüüüß‘-Effekt:

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So viel also zu meinen letzten Urlaubstagen hier in Costa Rica. Bis zu meiner Rückkehr Mitte August (ich habe in der rechten Spalte mal einen kleinen Countdown gestartet…) stehen nun noch ein paar Geburtstags- sowie Abschiedsfeiern an. Ab dieser Woche verabschieden sich nämlich schon die ersten Freiwilligen von anderen Organisationen nach Deutschland. Auch hier auf der Arbeit und im Dorf stehen die Zeichen auf Abschied: Ich bereite, in erster Linie im Computersystem, alles soweit vor, dass sich die neuen Freiwilligen, die meinen Platz einnehmen werden, gut und rasch in die Arbeit einfinden können. Außerdem schließt sich in diesen Tagen auch bei der Arbeit ein Kreis für mich: Musste ich bei meiner Ankunft noch, mehr oder weniger gerne, beim Bau des mittlerweile nicht mehr so neuen Büros mitarbeiten, stehen im Moment noch ein paar letzte Handgriffe bzw. Instandhaltungsarbeiten an. So werde ich also auch noch einmal handwerklich tätig, beim Schleifen und Lackieren von Tischen und Holzpfeilern zum Beispiel.

Im Dorf versuche ich alles besonders intensiv wahr- und aufzunehmen, um den Schatz von Erlebnissen, den mir das Leben hier beschert(e) gut und sicher in mir bewahren zu können. Die letzten Pläusche mit der Obstfrau, die letzten Besuche im Supermarkt, die letzten Futsal-Spiele (Hallenfußball), die letzten Abende mit den Kollegen und Freunden, die letzten frischen Tilapias (Fische) aus dem benachbarten Teich und so weiter. Auch das leidige Thema Packen beschäftigt mich schon. Hier steht wohl wieder eine kleine logistische Meisterleistung an. Einige Dinge werde ich hier lassen müssen, dafür ist aber auch Neues hinzugekommen. Außerdem muss ich so packen, dass ich an meinen letzten fünf Tagen in San José auch noch einmal das T-Shirt wechseln kann…

In meinem Kopf herrscht natürlich längst ein hin und her: Dies und das werde ich aber vermissen an Costa Rica, wenn ich zurück in Deutschland bin. Dieses oder Jenes habe ich jetzt aber wirklich lange genug vermisst, wird Zeit, dass ich es in Deutschland wieder habe. Chaotische Zustände. Erinnert mich irgendwie auch an meine Anfangszeit. Ein weiterer Kreis der sich schließt. Und wie es dann erst wird, wenn ich endgültig zurück bin? Zum Glück habe ich mir ja hier auf dem Blog eine Nische geschaffen, um dieses kleine Chaos ab und zu etwas ordnen zu können. Diese Nische ist meine Abschieds-Reihe DwivCRv-dfimsbiD. Hier kommt Teil 3:

An Costa Rica wird mir besonders fehlen:…

¡Pura Vida! – mehr als nur ein Ausruf, eine Lebenseinstellung, vielleicht die prägnanteste Form, die hiesige Kultur zu beschreiben, mit ihrer Lockerheit und weitgehenden Vermeidung von Stress, aber auch ihrer Spontaneität.

In Deutschland freue ich mich schon besonders darauf,…

dass ich mich (wesentlich häufiger) sicher auf Abmachungen verlassen kann, dass etwas im geplanten Zeitraum passiert und dass es überhaupt passiert.

(hier geht es zu Teil 2 der Reihe, wer ihn bisher nicht gelesen hat!)

Einerseits genieße ich es, entspannt in den Tag hineinzuleben, nicht übermäßig weit voraus zu planen, sich überraschen zu lassen, was so passieren wird. Da gibt es spontan ein kleines Festessen mit frisch gefangenem Fisch in der Mittagspause, aber am nächsten Tag, muss ich mich plötzlich selbst versorgen, weil die Familie spontan entscheidet in die Stadt zu fahren. Es gibt (selten) Aufforderungen etwas zu erledigen, aber der Chef steht nicht nach einer Stunde wieder auf der Matte, um zu kontrollieren, ob man auch fleißig nur diese Aufgabe bearbeitet. Zeitangaben dienen grundsätzlich nur zur groben Orientierung.

Ein tolles Beispiel dafür ist das Wörtchen „ahorita“: Leo.org übersetzt es als „sofort“, „gleich“, „jetzt“, „gerade“ und verweist zurecht darauf, dass es einen lateinamerikanischen Ursprung hat. Denn hier kann die Angabe „ahorita“ noch viel mehr bedeuten: „später“, „morgen“, „in X Tagen“ usw.. Selbst das Wort „ahora“, dass eigentlich ausschließlich „jetzt“ oder „nun“ bedeutet (und, wenn ich das richtig sehe, in Spanien auch nur so verwendet wird, oder?), kann, ausgesprochen von einem Tico oder einer Tica, noch ein Zeitspanne von mehreren Minuten oder gar Stunden bedeuten. „Ahora lo vemos.“ – „Sehen wir jetzt“, kann aber auch heißen: „Sehen wir dann gleich/irgendwann“. Lediglich das kleine, aber hier sehr wichtige Wörtchen „ya“ will sagen „sofort“, „jetzt“. Nun habt ihr also auch noch ein bisschen Nachhilfe in lateinamerikanischer Zeitangabe auf Spanisch bekommen – ein reiner Service-Blog ist das hier!

Das Ganze klingt für euch jetzt (also ya) lässig und nach einem nicht so gestressten Alltag? Wohl wahr, aber es hat auch seine Tücken. Zumal, wenn man sich als an Pünktlichkeit und Ordnung gewohnter Deutscher in dieser Kultur zurecht finden soll. Denn manchmal kommt es dann doch darauf an, pünktlich zu sein. Und plötzlich wird dann doch erwartet, dass eine Aufgabe nicht erst am nächsten Tag erledigt wird. Wann kann ich es also ruhig angehen lassen und wann muss ich spuren? Ich kann es bis jetzt nicht immer einschätzen. Zumal, wenn man noch mit recht vielen Einheimischen zu tun hat, die sehr viel Kontakt mit der europäischen bzw. deutschen Kultur und Einstellung haben und sich davon, was eben Genauigkeit, Pünktlichkeit etc. angeht, doch einiges abgeguckt haben. Aber das selbst dann auch nicht gerade konsequent betreiben…ja, es hat seine Tücken, und deswegen freue ich mich auch schon wieder auf Pünktlichkeit und Ordnung. Nicht in allen Belangen, aber, wenn es darum geht, einen Treffpunkt abzumachen oder überhaupt zu einem Treffen zu erscheinen. Oder ähnlichen Alltagsituationen. Aber ich weiß auch jetzt schon, dass es mir durch den hiesigen Pura Vida-Einfluss sicher schwer fallen wird, die deutsche Mentalität in diesem Bereich wieder ganz anzunehmen. Obwohl, wenn ich es mir genau überlege, ein bisschen Gelassenheit mit nach Deutschland zu bringen, ist wahrlich keine schlechte Idee.

Mal schauen, wie mir das gelingen wird. Ich habe jedenfalls vor, euch auch nach meiner Rückkehr noch ein paar Eindrücke von meinem Wiedereinleben zu schildern, falls sich dann überhaupt noch wer für mein Mitteilungsbedürfnis interessieren sollte, zwischen Terminhatz und Studien-/Berufsstress…

In diesem Sinne: ¡Pura Vida! und bis bald (<- individuell zu definierende Zeitangabe!)

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