RSS

Von Nebelwald, Traumstränden und Backwaren

08 Jul
Von Nebelwald, Traumstränden und Backwaren

Ein letzter größerer Ausflug in die grünen Berge von Monteverde hinter mir, und nur noch fünf Arbeitswochen vor mir. El tiempo pasa rapidissimo – die Zeit vergeht super schnell! Wie versprochen sollt ihr mich in den letzten Wochen noch einmal intensiver begleiten können. Fangen wir gleich heute einmal damit an: Mit einem kurzen Bericht mit vielen Fotos vom Ausflug am letzten Wochenende und dem Start meiner kleinen Reihe Das werde ich von Costa Rica vermissen – darauf freue ich mich schon besonders in Deutschland.

Nachdem der letzte Besuch aus der Heimat, bestehend aus meinem Bruder und seiner Freundin, ein paar Tage zum Kennenlernen und Aklimatisieren hier bei uns im Dorf verbracht haben, starteten sie ihre Rundreise durch Costa Rica, die sie am Ende bis nach Panama führen soll. Dank der Großzügigkeit meines Chefs konnte ich die Beiden auf ihrem ersten Zwischenstopp im Nebelwald-Gebiet von Monteverde noch begleiten.

Die Anfahrt nach Monteverde ist immer noch ein recht ruckeliges Unterfangen, da es keine ausgebaute und durchgängig geteerte Straße gibt, die bis in die Region führt. Egal von welcher Seite man kommt, am Ende geht es über Stein und Schotter. Wir wählten die von mir aus schnellste und gleichzeitig auch spannendste Anfahrt über den Lago Arenal mit dem Jeep Boat Jeep-Angebot. Nach Transport von La Fortuna centro zum Bootsanleger ging es mit einem typischen kleinen Touri-Bötchen über das größte Binnengewässer von Costa Rica, den Arenalsee (Lago Arenal). Immer mit Blick auf den Volcano Arenal und umgeben von saftig grünen Hügeln und Berghängen setzten wir zum anderen Ufer über, wo dann die Ruckelpisten auf uns warteten. Da es dann aber doch eher ein Minibus – Boat – Minibus wurde, bekamen Rücken und Nacken die bergab und bergauf führenden Pisten recht deutlich zu spüren. Angekommen in Monteverde ließen wir uns von unserem liebenswürdigen und amüsanten Ho(s)tel-Besitzer in die Unternehmungs-Möglichkeiten der Region einführen. Für den ersten Abend fiel die Wahl auf eine Nachtwanderung im Bosque Eterno de los Niños, einem der größten Privatreservate dieses Landes. Der Bezug auf Kinder (Niños) kommt nicht von irgendwo her: Vor einigen Jahrzehnten hat eine Gruppe schwedischer Kinder angefangen Geld zu sammeln, um das Waldgebiet aufzukaufen und zu einem privat geschütztem Gebiet umzuwandeln. Auch heute finanziert sich das Reservat neben den Einnahmen aus dem Tourismus in erster Linie noch über Spenden aus der ganzen Welt. Ein tolles Projekt, dass wir mit unserem Besuch gerne unterstützen wollten. Und lohnenswert war es obendrein noch: Neben der spannenden Atmosphäre, bei Nacht im Urwald herumzutapern, sahen wir auch noch nachtaktive Tiere, wie Fledermäuse, Baumkatzen (?), Frösche, Schlangen und riesige Taranteln. Hier eine kleine Auswahl:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Am folgenden Tag ging es dann schon recht früh weiter: Nach einem Panflöten-Frühstück (der Hotelbesitzer hatte Klassiker a la John Lennon und Co. in Panflötenversionen wohl für DIE Begleitmusik am Morgen auserkoren…) ging es in das Monteverde Nebelwald Reservat. Eine riiieeesiges Gebiet von 10.500 Hektar (Quelle: Wikipedia) von dem nur ein kleiner Teil für Besucher zugänglich ist. Wir wählten eine gut dreistündige Rundwanderung aus, bei der wir, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, das Reservat fast für uns alleine hatten. Es ging vorbei an Panaroma-Ausblicken und Wasserfällen, immer begleitet von Vogelgezwitscher und hin und wieder Affengebrüll. Zwar sahen wir bis auf ein Hörnchen (also das Tier jetzt..) und ein paar Vögelchen keine „besonderen“ Tiere mehr, genossen aber die Ruhe in der tollen Natur zwischen kleinsten Pflanzen und beeindruckenden Baumriesen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach der Wanderung streiften wir noch ein wenig durch den Ort bevor wir uns zum Abendessen einen Besuch bei einem der örtlichen Italiener gönnten – man, kann so eine vernünftige italienische Pizza gut schmecken!

Am Sonntag wurde dann mal nach bestem Rollen-Vorurteil die kleine Reisegruppe aufgeteilt: Die Mädels vergnügten sich bei einem Reitausflug und die Jungs beim Canopy-Abenteuer. Da ich euch von einem Canopy an anderer Stelle ja schon mal erzählt habe, lasse ich hier lediglich die Bilder sprechen. Erwähnt sei vielleicht noch, dass diesmal kein Superman-Flug dabei war, dafür aber ein Kabel von 800m länge überwunden wurde – oder auch nicht, denn die letzten Meter musste ich mich, wie fast alle aus unserer Gruppe, dann per Hand weiterziehen. Hallooo Armmuskeln….

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Am Montag ging es dann für die Besucher gen Pazifik und für den fleißigen Voluntario zurück ins Dorf und ins Büro in dem ich nun auch gerade sitze und euch schreibe. Noch genau 25 Arbeitstage werde ich in diesen Räumen verbringen. Mal umgeben von dunklem Himmel und heftigen Regengüssen, mal halb erdrückt von der Hitze gegen die auch der direkt über dem Kopf platzierte Ventilator nicht ankommt. All diese kleinen Dinge werde ich also bald hinter mir lassen müssen und sicherlich schnell anfangen, sie zu vermissen. Aber gleichzeitig denke ich auch gerne daran, wie ich die ganzen lieben Menschen wiedertreffe, wie ich mal ein paar Wochen keine schwarzen Bohnen essen muss und, ihr Zuhause werdet es vielleicht gerade nicht verstehen können, wie angenehm die heimatliche Kälte sein wird.

Zwei spezielle Dinge, die ich an meiner aktuellen Heimat besonders vermissen werde und auf die ich mich in Deutschland schon wieder besonders freue, werde ich euch nun einmal etwas näher bringen:

An Costa Rica wird mir besonders fehlen,…

dass man (zumindest von der Hauptstadt aus) mal eben einen Tagesflug in die Karibik oder an den Pazifik machen kann.

In Deutschland freue ich mich schon besonders darauf,…

dass man beim Bäcker auch schmackhaftes Brot bekommt, dass nicht nur aus Weizenmehl und Luft besteht.

Zu Beginn meiner kleinen Reihe also gleich mal zwei Genuss-Punkte. Traumstrände vs. Weißluftbrot – zugegeben, das klingt nach einem ungleichen Duell. Aber dennoch: Wer das Angebot eines deutschen Bäckers gewohnt ist, wird mit dem des costa-ricanischen Bäckers erst einmal so seine Probleme haben. Ich empfehle: Mache nicht die Zwei-Finger-Probe (das Brot mit zwei Fingern zusammendrückend auf seine Konsistenz überprüfen) sonst hast du erst recht keine Lust mehr, die (natürlich total übersüßte) Marmelade darauf zu schmieren. Das einzige was nach meiner Erfahrung hilft: Öl, Knobi und ab in den Backofen…aber gut, wer ernährt sich schon gerne rund um die Uhr von Knobi-Brot?

So viel zur Brotlage in Costa Rica, wenn ich jetzt schon mit den Essenthemen anfange, bin ich mal gespannt, wie oft die hiesige Esskultur in dieser Reihe noch Thema wird. Deswegen sage ich gleich mal vorneweg: Gegessen habe ich trotzdem (mehr als) genug und geschmeckt hat es dann doch auch meistens!

Nun zum anderen costa-ricanischen Genussmittel: Traumstrände und Meer. Zugegeben, ich habe diese Nähe nun im Nachhinein betrachtet viel zu selten ausgenutzt. Zu meiner Verteidigung: Was Andere von San José in vier Stunden schaffen braucht bei mir halt auch noch mal locker zwei Stunden Meer ehh mehr. Also, doch nicht so ein Katzensprung zu den Traumstränden als Dorffreiwilliger, aber dennoch: die Nähe zur entspannten Karibik, mit dauerhaftem Marihuana-Geruch in der Luft (ja, Klischee, aber gar nicht so übertrieben..) und andererseits, denn auf der anderen Seite des Landes gelegen, die Näher zur überlaufeneren, aber nicht minder mit Traumstränden besetzten Pazifikregion, ist doch ein großer Pull-Faktor (krass, ich habe ja doch was vom Erdkunde-Unterricht behalten..) für diese kleine Nation. San José-Erstbester Kraibiktraumstrand: knapp 4 Stunden; San José-Erstbester Pazifikstrand: knapp 2 Stunden Busfahrt. Ja, ich weiß, so ein Spaziergang an der Dhünntalsperre hat auch was und ja, ich weiß, der Baggersee hat, wenn man ganz fest die Augen zusammenkneift, bei perfekter Sonnenlichteinstrahlung etwas von der Adria, aber nein, liebe Heimat, mit deinen Seen und Flüssen und Nordsee und Ostsee – Du hast doch irgendwie keine Chance bei diesem Vergleich, perdón!

Jetzt wisst ihr also bescheid, was man, nach einem Jahr Abwesenheit, an Deutschland so besonders vermissen kann und was man andererseits, bei einem Jahr Anwesenheit, an Costa Rica so richtig lieb gewinnen kann. Nächste Woche geht es dann weiter mit meinem kleinen Beitragscountdown bis zur Rückkehr.

Bleibt neugierig!

Advertisements
 
Ein Kommentar

Verfasst von - 8. Juli 2013 in Berichte, Rückkehr-Countdown

 

Eine Antwort zu “Von Nebelwald, Traumstränden und Backwaren

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: