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pura vida Reisefieber III

24 Apr
pura vida Reisefieber III

Auch die schönste Reise mit der lieben Familie neigt sich einmal dem Ende zu. Und so gingen wir sie an, die letzte Woche: starteten in der Fremde in das neue Jahr und durchquerten mal eben Costa Rica an einem Tag, damit auch die Karibik noch entdeckt werden konnte, bevor es dann wieder gen Hauptstadt und Abschied ging. Wie unsere letzten gemeinsamen Tage abliefen, lest ihr im dritten und letzten Teil von pura vida Reisefieber – als Gastbeitrag meines Vaters, unter freundlicher Mithilfe meiner Mutter. Viel Spaß, danke fürs Lesen und ich hoffe, eure Reiselust mit diesen Berichten etwas geweckt zu haben!

Woche 3 – Das Finale: Ojochal, Passstraße, Cahuita, San José

Die „Entschädigung“ für zu wenig Ruhe und zu viele Touristen ließ nicht lange auf sich warten. Nur knapp 80 Kilometer weiter an der Küste entlang nach Süden wartete in Ojochal das nächste Paradies auf uns: El Diquis del Sur. Der große blaue Schmetterling, den wir schon im Norden bewundert hatten, flatterte uns bereits am frühen Morgen auf der Terrasse unserer Cabinas entgegen. Die frühzeitig gebuchte Sylvesterunterkunft in einer traumhaften Gartenanlage mit versteckten Villas und Cabinas wurde von einem älteren franko-kanadischen Ehepaar geführt. Sie hatten das Anwesen acht Jahre zuvor in ziemlich heruntergekommenem Zustand übernommen und mit viel Liebe und Engagement wieder hochgepäppelt. Und endlich waren wir mal nicht auf die Übersetzerdienste des Reiseleiters angewiesen. Wer wollte (und fähig dazu war) konnte sich auch auf Englisch und Französisch verständigen.

Unsere „Hütte“ im neuen Domizil lag malerisch am Hang und bestand aus zwei bequemen Schlafräumen, jeweils mit eigenem Bad (und Warmwasser), dazwischen eine große Küche und davor die riesige auf Stelzen stehende Terrasse, alles in landestypischer Holzbauweise.

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Traumhaft waren auch die Strände in der Umgebung, die sich an der Pazifikküste wie eine Perlenschnur aneinanderreihten und die alle ihr eigenes Gesicht hatten, mal mehr, mal weniger von Felsen eingerahmt, mit durchaus imposanten Höhlen und Durchbrüchen zum Meer, mit vorgelagerten Mangroveninseln, aber immer mit feinstem Sand, nicht zu unterschätzenden Wellen – und jeder Menge Einsiedlerkrebsen. Und wenn das Strandleben zu anstrengend wurde, konnte man ja auf den sauberen Pool in den Villas Diquis zurückgreifen oder sich auf die Aussichtsterrasse zurückziehen mit dunklem Bavaria-Beer oder verführerischem Cocktail, mit Meerblick und imposanten Sonnenuntergängen – und für die Jugend sogar mit WLan-Verbindung in die große weite Welt.

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Sylvester wurde dann ausgiebig „daheim“ im El Diquis gefeiert, mit leckerem Festtagsmenu, (etwas zu süßem) Schampus und sogar einem kleinen Feuerwerk – und vielen deutschen Stimmen. Denn auch Joschkas FSJ-Kollegin und Mit-Voluntaria Jana hatte sich mit Familie zum Jahreswechsel in Ojochal eingefunden, ebenfalls im Rahmen eines gemeinsamen Costa Rica-Trips.

Das Neue Jahr war gerade mal einen Tag alt, als die beschauliche Ruhe und das Strandleben in Ojochal mal wieder dem Abenteuer „on the road“ weichen mussten. Es stand an die große Pazifik-Karibik-Tour einmal quer durch Costa Rica, also durch das Landesinnere, über ein berüchtigtes Teilstück der berühmten „Carretera Interamericana“ (besser bekannt vielleicht als „Panamerican Highway“). Es erwarteten uns und unseren braven, aber etwas untermotorisierten Allroader alpentaugliche Pass-Höhen mit eben mal 3.450 Metern über N.N und mit dem bezeichnenden Namen „Cerro de la Muerte“. Aber das ist dann für straßentaugliche Fahrzeuge auch schon der absolute „Höhepunkt“ unseres Reiselandes. Der Trip über die Berge führt teilweise schon über die Wolken, findet meistens aber – wie bei uns – in dichtestem Nebel bei Schritt-Tempo statt. Die Angst, dass ein Lastwagenfahrer unbekümmert durchbrettert oder auf der Gegenspur überholt, fährt zwangsläufig mit.

Bei Google-Maps war die Gesamtstrecke von Ojochal bis Cahuita über San Isidro (leider nur von der Höhe aus gesehen), Cartago (viel Verkehr und eine schöne Kirche), Turrialba (mit Kaffeepause und leckerem Kuchen) und Limón (einziger Seehafen Costa Ricas) mit 343 Kilometern und einer Reisedauer von unter sechs Stunden angegeben. Es wurden weit mehr als 10 Stunden daraus, denn der Jeep musste sich oft genug nur im ersten Gang die Steigungen hochquälen, die Straßen Richtung Karibik waren von Bananen- und Ananas-Lastern verstopft und das letzte Teilstück von Limón nach Cahuita strotze nur so von Schlaglöchern, die bei einsetzender und später völliger Dunkelheit nur schwer auszumachen waren und deren schlagartiges Auftreten das Gemüt von Fahrer Joschka und seinen Beifahrern trotz aller Vermeidungsversuche doch arg strapazierte.

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An der Karibikküste bei Cahuita erwartete uns dafür eine ganz relaxte Gegend, ohne große Hektik, dafür mit viel Musik, vor allem Reggae, die von allen Seiten zu hören war – und einer vorwiegend schwarze Bevölkerung. Restaurants mit viel Fisch (nicht nur) für die vegetarische Fraktion und der abendliche Barbesuch mit Rum-Verköstigung und/oder Mojito gehörten ebenfalls dazu. Die Strände hier waren eher schmal, direkt dahinter begann vielfach der Urwald, und die Spuren zahlreicher Wirbelstürme der vergangenen Jahre waren nicht zu übersehen.

Auch hier wartete auf uns Vier eine hübsche Cabina aus Holz in Schweizer Besitz und von einer Deutschen aus der Bodensee-Ecke betreut. Hängematte auf der Veranda vor dem Haus, daneben der „Kolibri-Baum“ mit ständig umherschwirrenden gefiederten Besuchern und in den umliegenden Bäumen am Morgen die „große Affenparade“: umherstreifende Familien von Kapuzineräffchen, die sich durch die Äste bewegten und sich gelegentlich sogar zu Fuß, also auf zwei Beinen und in aufrechter Haltung über die Grasfläche um die Hütten wagten; natürlich nicht, ohne sich beim Verlassen des schützenden Baumgürtels tausendmal zu vergewissern, dass die Luft für einen solchen Spaziergang auch wirklich rein ist.

Neben den vier Touris beherbergte die Cabina aber auch noch weiteres Stammpersonal: Da war zum Beispiel der Krebs, der sonst in seinem Loch in der sumpfigen Wiese lebte, sich unter der Eingangstür hindurch in die Hütte schlich und nach seiner Entdeckung in einer Wandritze in Deckung ging. Für unsere Verhältnisse ziemlich riesige Heuschrecken saßen im Dachgebälk und natürlich tauchte auch der unvermeidliche Haus-Gecko auf.

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Höhepunkt des Aufenthaltes war zweifelsohne die ausgedehnte – und bei den tropischen Temparaturen nicht ganz unanstrengende – Wanderung durch den dortigen „Parque Nacional Cahuita“. Der bot Fauna und Flora in Hülle und Fülle, beschwerte uns die Durchwatung mehrerer kleiner Flussläufe mit brackig-braunem Wasser, giftgelbe Giftschlangen (die werden doch von den Parkwächtern jeden Morgen in die Büsche gehängt), Faultiere, Affen, Ameisen, Spinnen, Leguanen und unbekannten Vogelarten. Zum Schluss belohnten wir uns noch mit einem Sprung in den Atlantik, ein paar angeschwemmten versteinerten Korallenstücken vom Strand (bestimmt verbotenerweise) und und einer Rückfahrt nach Cahuita per Taxi, um schließlich im karibischen Restaurant Luisa zu landen bei leckerem Red Snapper.

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Und dann hieß es schon: auf zur letzten Station, ab in die Hauptstadt, zurück nach San José. Diesmal quer durch die Cordillera Central mit ihren eindrucksvollen Feuerbergen, durch den – vermutlich – einzigen größeren Straßentunnel von Costa Rica, vorbei am alten Fußballstadion (skurrile Fast-Ruine) und hinein in die Großstadt mit Wahnsinnsverkehr, quirligen Fußgängerzonen und vielen, vielen Parkanlagen, in denen Einheimische wie Touristen in der allgemeinen Hektik auch mal etwas Ruhe finden können. Auf der Fahrt durch die Berge hätte uns fast eine Polizeikolonne auf die Hörner genommen, als sie uns auf unserer Überholspur wie aus dem Nichts entgegenraste – linkerhand die bergabfahrenden Lastwagen, zur Rechten die von uns gerade überholte LKW-Kolonne. Irgendwo fand sich noch eine Lücke …

Schnell zum Durchatmen ins Hotel, ein eindrucksvolles und durchaus gemütliches Konglomerat aus mehreren alten eingeschossigen Bürgervillen mit vielen grünen Innenhöfen und Gärten, direkt am nördlichen Rand des Stadtzentrums, aber noch gut fußläufig zur City gelegen. Dann durften wir uns zu zweit wieder in das Straßengetümmel stürzen, um unseren braven, wenn auch etwas lahmen fahrbaren Untersatz seinem rechtmäßigen Besitzer, also der Autovermietung, zurückzubringen – mehr grau und braun als weiß, dafür aber ohne jegliche Blessur!

Von da an ging es nur noch per Pedes durch die Capital, in die Fußgängerzonen, in die einschlägigen Restaurants, wie das „noble“ Cafe Mundo oder das studentisch-alternative Nuestra Tierra, in die künstlerischen Basare und die für den alltäglichen Bedarf, natürlich in den Stolz aller Ticos, das Nationaltheater (mit Beethoven und Chopin in Bronze davor), die Kirchen und Kultureinrichtungen und (siehe oben) in die Parks. Zwischendurch wurde noch das Super-Frühstücksbuffet im Hotel genossen, der Fremdenführer Joschka in den Bus Richtung Valle Azul gesetzt (der Ärmste musste schließlich irgendwann mal wieder arbeiten) und schließlich mit der berühmten Träne im Knopfloch das Taxi gen Flughafen bestiegen.

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Heimat, wir kommen – wenn auch mit einer großen Portion Wehmut.

Autor: Dietmar „Papa“ Boettcher-Frech, Freundliche Unterstützung: Monika „Mama“ Frech

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Ein Kommentar

Verfasst von - 24. April 2013 in Reiseberichte

 

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Eine Antwort zu “pura vida Reisefieber III

  1. Marion Mohrmann

    7. Mai 2013 at 19:52

    Toll der Bericht von Papa Joschi und Moni, es waren auch tolle Bilder! Alles sehr gut gelungen! Hat Spaß gemacht, das Lesen, danke! Mari aus Duisburg

     

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