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pura vida Reisefieber II

18 Feb
pura vida Reisefieber II

Und weiter ging sie, die lustige Rundreise durch meine aktuelle Heimat. Nun standen auf dem Programm: Weihnachten am Pazifik, blau gefärbte Flüsse, abgelegene Berghotels und der Versuch (!), den wohl beliebtesten Nationalpark Costa Ricas zu besuchen. Lasst also weiterhin von Bild und Text euer Fernweh wecken und lest Teil 2 des Reiseberichtes pura vida Reisefieber!

Woche 2: Sámara, Rio Celeste, San José de la Montaña, Quepos

Ja, was für eine Fahrt, die ihr Highlight dann erst kurz vor der Unterkunft in der Nähe des Strandörtchens Sámara fand: die Durchquerung eines kleines Flusses per Auto! Nach einer schier ewigen Tour über Schotterpisten standen wir plötzlich am zu durchquerenden Fluss. Die Wegbeschreibung empfahl, ihn in einer Linkskurve zu durchqueren. Aber da sieht es doch sehr tief aus? Ein- und Ausfahrtsspuren wurden analysiert. Die Wassertiefe geschätzt. Angeregt über den besten Durchfahrtsweg diskutiert – nur kurz unterbrochen von dem Hinweis, wir können doch auch noch einen anderen Weg nehmen.. Aber nein, wir mussten da jetzt durch. Also das Allrad an und einfach geradeaus den Fluss schneiden. Es platscht. Es spritzt. Das Wasser kommt schon näher. Aber die Reifen sind doch hoch genug? Doch, wir bewegen uns vorwärts. Und sind schon drüben. Es war sicher nicht die niedrigste Stelle. Aber ja, die Reifen waren hoch genug. Der Unterboden nun gespült. Das restliche (weiße!) Auto endgültig verschmiert. Flussüberquerung: check!

ab dafür!

ab dafür!

Anschließend ging es dann weiter ins Hotel Flying Crocodile, wo wir uns von der Spannung erholten und mit offenen Armen von zwei deutschen Frauen empfangen wurden, die die Anlage leiten. Man ist das heiß hier. Freude über ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank. Freude über die Klimaanlage im wunderschön detailreich gestalteten Bungalow. Und vor allem Freude über eine kurze nächtliche Pool-Einheit. Schnell waren wir uns einig: hier ließ es sich über Weihnachten super aushalten!

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Und unsere Laune sollte in den kommenden Tagen sogar noch steigen: Vergessene Leidenschaften fürs Billardspielen wurden wiederentdeckt. Ein paar Stunden am und im Pool genossen. Die Bekanntschaft mit den ansässigen Leguanen gemacht . Das leckere Essen genossen. In Flip-Flops und Badehose draußen am Pool die weihnachtliche Bescherung gefeiert und den Weihnachtsabend dann mit kühlem Bier und Lagerfeuer am Strand verbracht. Definitiv: pura-vida-verdächtig! Zwischendurch gab es natürlich auch noch ein bisschen mehr Strand-Zeit. So lag doch in der Nähe ein kaum besuchter Traumstrand, der uns wärmstens empfohlen wurde. Die Anfahrt war erneut recht abenteuerlich, aber unser kleiner Jeep und sein Allradantrieb brachten uns auch hier wieder sicher voran. Und es lohnte sich wirklich, für diesen Strand eine solche Anfahrt auf sich zu nehmen. Feinster Sand. Wilde See mit hohen Wellen. Schattenplätze (ganz wichtig!). Und gaaanz viel Ruhe. Eine besondere Erfahrung am Weihnachtstag!

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Später erfuhren wir dann, dass der Strand mit zum Anwesen des zurecht umstrittenen Schauspielers und Regisseurs Mel Gibson (z.B. Die Passion Christi) gehört. Er hat sich dort am Strand wohl auch schon gerne mit Kolleginnen a la Britney Spears gezeigt – dieses Mal waren sie aber zum Glück nicht vor Ort. Welche Ausmaße das riesige Grundstück dort hatte, wurde uns bei einem anderen Highlight dieser Tage bewusst, einem Gyrocopter-Flug! Das Hotel hat ja nicht umsonst diesen ungewöhnlichen Namen. Einerseits zeigen sich in der Nähe eben gerne Krokodile. Und andererseits grenzt an das Hotel ein Flugplatz für diese Ultraleicht-Flugzeuge. Diese Möglichkeit ließen sich mein Bruder und ich natürlich nicht nehmen und so entschwanden wir am 1. Weihnachtstag zwischenzeitlich in die Lüfte.

Seht am besten selbst, was das bedeutete. Es war auf jeden Fall eine ganz außergewöhnliche Erfahrung mit diesem kleine Gerät in der Luft zu liegen. Einerseits ganz frei, ohne in einer Kabine zu sitzen, andererseits aber ganz ruhig und ohne sich unsicher zu fühlen. Und natürlich auch toll, einmal einen Teil dieses Landes von oben zu sehen. Oder zumindest von wenigen Metern Entfernung über dem Meer – denn Tiefflüge gab es auch im Programm. Auf jeden Fall nur zu empfehlen das Ganze!

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Nach diesen einfach schönen Tagen an der nördlichen Pazifikküste setzten wir unsere Fahrt fort. Es ging wieder zurück in die nördliche Landesmitte. Und – da half auch der Blick auf vier verschiedene Wetter-Webseiten nichts – es würde uns in den Regen führen. So kam es dann auch. Je weiter wir fuhren, desto mehr zog sich der Himmel zu und es wurde von Kilometer zu Kilometer nasser. Pura Vida! Ziel waren die Gemeinde Rio Celeste und der gleichnamige Fluss. Nach unserer abendlichen Ankunft und dem Vernichten jeglicher Biervorräte schon beim Abendessen (fünf Dosen..) wartete am nächsten Tag die famose Rio Celeste Wanderung auf uns. Ich freute mich besonders, endlich diese Attraktion kennenzulernen, die wohl mit Abstand meistgebuchte Tour bei meinem Arbeitgeber.

Leider sollte uns zur Wanderung das Wetter erneut nicht milde gestimmt sein. So wurden wir schon auf den paar Metern zum Nationalpark-Eingang so nass, dass wir folgende Regenschauer gar nicht mehr richtig wahrnahmen. Die Wanderung selbst führte dann bergauf, bergab an verschiedenen Punkten vorbei, die allesamt mit dem wundersam blau gefärbten Fluss zu tun hatten. An einer Stelle des Flusses entwichen Gase und es roch als hätte man hier ein Unterwasser-Lager für faule Eier eingerichtet. Weiter ging es zu einer besonders blauen Lagune. Über enge Hängebrücken, die man nur zu zweit begehen durfte, zu dem Ort, wo sich ein kleinerer und ein größerer Bach in einer chemischen Reaktion zum blauen Rio Celeste vermischen. Und natürlich zum Fotomotiv Nummer 1: dem Wasserfall himself!

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Die Tour hat sich, trotz der widrigen Wetterbedingungen, die dann leider auch negativen Einfluss auf die Blaufärbung des Flusses hatten, definitiv gelohnt. War aber auch mit Abstand die anstrengendste. Nicht zuletzt wegen der ewig langen Treppe zum Wasserfall hinunter oder dem Weg, der sich im Laufe des Tages (und immer mehr Touristengruppen, die nicht so früh aufgestanden waren wie wir) so einer halben Matschrutschbahn entwickelt hatte. Aber wir haben es heil und ohne Sturz, dafür aber mit waghalsigen Balance-Halten-Aktionen, wieder aus dem Park und seinem Primär- und Sekundärwald hinausgeschafft. Und hatten uns das kräftige Mittagsmahl und ein kurzes Bad in den natürlichen Pools, die zu unserer Unterkunft gehörten, redlich verdient! Stärkung war auch nötig, denn noch am selben Tag ging es weiter. In Richtung meiner momentanen Heimat des Valle Azul. Wir kamen aber nicht schon zurück, sondern hatten im GPS das Ziel San José de la Montaña eingegeben. In der Nähe der nächstgelegenen Stadt des Valle Azul (oder so..) – Ciudad Quesada.

Also beim Durchfahren dieser besagten Stadt noch schnell ein paar Besorgungen machen (mit der Erkenntnis: es gibt Bremer Beck’s im Pali, dem Costa Rica Aldi!) und einen Stapel Postkarten abgeben, denn es ging doch wieder an den Rande der Zivilisation mit unserem nächsten Ziel. Dies wurde spätestens bei der Anfahrt bewusst:  Über (bestimmt wieder KfW-finanzierte) Schotterpisten ging es nämlich, einmal abgebogen von der Landstraße, nur noch bergauf und bergauf und bergauf. Wir durchfuhren gefühlt fünf Klimazonen, mehrere Nebelwolken, wähnten uns auf Augenhöhe mit einem wunderschönen Regenbogen und landeten dann schließlich am Ziel, der Albergue Monterreal/ Pozo Verde, wieder einem Partnerprojekt meiner Organisation JAZON. Dort oben war es dann auch sehr windig und kühl, so dass schnellstmöglich die wärmsten vorhandenen Kleidungsstücke aus dem Koffer gekratzt wurden, bevor der Hunger mit frischer Trucha (Forelle) aus den hoteleigenen Fischteichen gestillt wurde. Gut gesättigt ging es dann bald schon in die Waagerechte, allerdings nicht ohne zuvor noch den Sonnenuntergang zwischen den Bergkämmen durch das riesige Panaromafenster zu genießen.

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Am nächsten Morgen schliefen (fast) alle natürlich viel länger als geplant, und jeder wachte mit mindesten einer Lage Klamotten mehr bekleidet auf, als er ins Bett gegangen war. Schon beeindruckend, wie schnell sich der Körper an die Wärme gewöhnen kann und wie ihn wahrscheinlich nicht viel weniger als 20°C schon zum Frieren bringen. Nachdem sich dann aber nach dem Frühstück die Sonne zeigte, wurde doch noch der nette Rundweg, der zur Albergue gehörte, begangen. Immer mit offenen Augen und Ohren für den angeblich so wunderschönen und mindestens genauso seltenen Quetzal. Wohl dem beliebtesten Vogel Costa Ricas, der sich eben gerne in solchen Höhenlagen aufhält. Nach einigen knackenden Ästchen und Vogelrufen mit anschließendem kollektiven da isser – Rufen, mussten wir allerdings einsehen, dass wir diese Farbenpracht von Vogel wohl nicht vor die Augen bekommen würden. Zumindest eine Quetzal-Feder fand sich allerdings noch auf unserem Weg. Ansonsten genossen wir den Vormittag noch, um anständig frische Bergluft einzutmen, eine bzw. vier weitere Forellen zu verspeisen und anschließend die Weiterreise anzutreten: Es warteten erneut der Pazifik sowie einer der beliebtesten (und dadurch völlig überlaufenen) Nationalparks des Landes auf uns…zumindest war dieser Parque Nacional Manuel Antonio  bei der Abfahrt aus den Bergen meiner Heimatregion noch das primäre Ziel…

Zunächst galt es aber mal die Zona Norte zu verlassen und das Land bis zur südlichen Pazifikküste zu durchkreuzen. Eine lange Fahrt. Aus der nördlichen Flachebene hinauf auf die zentrale Hochebene und wieder hinab gen Küste. Teilweise auch über die noch recht neue mautpflichtige Autobahn. Zwischenzeitlich aufregende Passagen, denen die Dunkelheit und der einsetzende Regen noch einen zusätzlichen Kick gaben. Doch auch diese Etappe meisterte unser Meister-Fahrer ohne weitere Probleme. Pünktlich zum Sonnenuntergang befuhren wir dann die Küstenstraße und auch der Regen gab Ruhe und somit alle paar Kilometer den Blick frei auf den weiten Pazifischen Ozean und die Sonne, die in ihm zu versinken schien. Ein toller Anblick, der die Freude auf die vor uns liegende Woche in diesem Landesteil trotz fortgeschrittener Stunde und Müdigkeit durch die lange Fahrt steigen ließ. Nach ein paar weiteren Kilometern auf der Schotterpiste landeten wir etwas abseits des Rummels der Touristenhochburg Quepos und des beliebten Nationalparks. Nicht nur der Ort, auch die angepeilte Unterkunft El Silencio versprachen also ein paar weitere ruhige Tage. Nur hatten wir die Rechnung ohne die hiesige Dorfgemeinschaft und ihren hartnäckigen Karaoke-DJ gemacht: Schon bei unserer Anfahrt auf das Gelände der Unterkunft wunderten wir uns über die versammelte Menschenschar. Bei genauerem Hinsehen entdeckten wir die Tanzgruppe, die traditionelle Tänze vorführte. Beobachtet von gefühlt der gesamten Dorfgemeinschaft. Inklusive Musik, die aus den auf Anschlag gedrehten Boxen dröhnte. Nun gut, ein paar kulturelle Eindrücke, gratis und dann die Ruhe genießen. Doch dieser Gedanke wurde bald durch ein kleines Wort aus dem Mund des DJs/ Moderators zerstört, das einen Alarm in meinem Kopf auslöste: KARAOKE!

Während der ersten Runden des Singwettk(r)ampfes gönnten wir uns dann noch ein ausgiebiges Abendessen, bevor die Elternfraktion den Rückzug in die Cabina antrat. Natürlich wurde uns jene zugewiesen, die in unmittelbarer Nähe der Vergnügungsgesellschaft lag. An Schlaf war also nur bedingt zu denken. Sodass die Brüderfraktion sich dem Schicksal ergab und, nein, nicht mitsang, aber zumindest an der Bar stehend dem Treiben belustigt und dank der Unterstützung von mexikanischem Feuerwasser und einheimischem Bierwasser zusah.

Am nächsten Morgen bot sich dann folgendes Bild: eine völlig übermüdete Familie, die zur Hälfte auch noch von miesem Tequila niedergestreckt war. Eine ausgiebige Wanderung durch den attraktiven Nationalpark? Undenkbar. Somit wurde nach Überwindung des eigenen Schicksals der Tag zumindest am nächstliegenden Strand verbracht (oder auskaternderweise im Bett). Abends raffte sich die müde Gesellschaft dann noch einmal auf, um die Touristenhochburg Quepos zu besuchen. Denn der Reiseführer hatte die Neugier der bekanntlich zum Teil sehr flugzeugaffinen Mitreisenden auf ein Restaurant gelenkt, dass, obwohl am Hang gelegen, in und um ein altes amerikanisches Flugzeug gebaut worden war.

Bei der Anreise nach Quepos wurde uns dann schnell klar, dass es vielleicht nicht die schlechteste Idee war, an diesem Morgen verkatert und übermüdet, auf jeden Fall unfähig einen Nationalpark zu besuchen, aufzuwachen: Es schob sich eine Blechlawine der Besucher des Parks über die enge und kurvige Straße bis in die Stadt. Also wenn dies nur ein Teil der Tagesbesucher war, glich dieser Nationalpark wohl eher einem Vergüngungspark. Beim Restaurant angekommen wurde uns leider bewusst, dass wir gerade zu spät kamen, um noch die Sonne über der Bucht untergehen zu sehen. Dennoch genossen wir feine Speisen und Getränke und inspizierten noch diesen ungewöhnlichen Ort, bevor wir uns auf eine letzte ruhige Nacht freuten, um dann am nächsten Tag gen Süden weiterzureisen. Aus der ruhigen Nacht wurde natürlich erneut nichts. Die kulturellen Tänze hatten sie sich diesmal gespart. Das Karaoke war ja auch viel lustiger. Und viel nervtötender. Zumal dazu noch die traurige Erkenntnis kam, dass der Moderator jedes zweite  Lied selber sang … Den Rest dieser Nacht könnt ihr euch denken. Wir waren erneut nicht die fittesten, als es am nächsten Tag weiter ging. Aber die Vorfreude auf die nächste Unterkunft, ein paar (hoffentlich) ruhigere Tage und die Feier, um das neue Jahr zu begrüßen, erhellten unsere Mienen auf dieser Fahrt.

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3 Kommentare

Verfasst von - 18. Februar 2013 in Reiseberichte

 

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3 Antworten zu “pura vida Reisefieber II

  1. ute

    11. März 2013 at 23:12

    Hallo Joschka, schön, dass alles zu erleben, wenn auch nur am PC. Wünsche Dir weiterhin offene Augen, Ohren und Sinne.

    Herzlich
    Ute

     
  2. Marion Mohrmann

    28. Juni 2013 at 09:48

    Hallo Joschi, ich wollte nur wissen, wie es Euch geht. Jetzt hast Du ja Besuch von Jannis und Inga, das ist ja sicher toll! Ich wünsche Euch allen viel Spaß dort! Ich habe meine Zeugnisse nun endlich geschafft, jetzt können die Ferien kommen. Aber 3 Wochen muss ich noch durchhalten. Euch alles Liebe, Marion

     

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