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pura vida Reisefieber I

26 Jan
pura vida Reisefieber I

Lange hatte ich darauf hingefiebert. In traurigen Situationen oder Momenten voller Selbstzweifel. In den letzten Tagen zuvor liefen die Mail-Kanäle zwischen Kümps und Costa Rica heiß: „Bitte bringt mir noch meine geliebten Airwaves-Kaugummis mit!“ – „Welches Schuhwerk brauchen wir denn eigentlich?“ Und so weiter. Doch auch die letzten Tage des Wartens gingen rum und plötzlich standen sie wieder vor mir. Meine Eltern. Mein Bruder. Mein erster Besuch hier in Costa Rica. Dabei fühlte ich mich selbst doch halb noch als Besucher. Nun änderte sich dieses Gefühl aber rapide. Ich zeigte und erklärte meine neue (vorübergehende) Heimat. Ein komisches Gefühl, an das ich mich aber schnell gewöhnte – genauso, wie meine Familie, die nicht aufhören konnte, den Reiseleiter, diesen Namen hatte ich bald weg, brav zu loben, damit er auch weiterhin, dank der Sprachkenntnisse und seiner Erfahrungen, nahezu jedes Hindernis auf der Reise aus dem Weg räumte. Auf einer Reise, die uns zunächst vom Zentraltal Costa Ricas kreuz und quer durch den nördlichen Teil des Landes führte. Anschließend an der südlichen Pazifikküste fortgesetzt und mit einem Abstecher in die Karibik garniert wurde, um schließlich wieder im Zentraltal und der Hauptstadt zu landen.

In diesem Bericht möchte ich euch noch einmal mitnehmen auf diese interessante, wie anstrengende Reise. Mit zu mutigen Wanderungen, spannenden Begegnungen oder entspannten Strandtagen.

Dank den Fotokünsten meines Bruders Jannis, auch äußerst ansprechend bebildert!

Noch mehr Fotos findet ihr im Facebook- und im google+ Fotoalbum – die Links sind rechts im Menü.

Woche 1 – Valle Azul und La Fortuna

Zur Begrüßung knallt die Sonne. Wofür habe ich eigentlich die Wochen davor über den ganzen Regen gejammert und die Feuchtigkeit, die dem Schimmel freie Bahn ließ? Regen? Das können sie sich jetzt erst einmal gar nicht vorstellen! Dafür aber umso besser die Natur, die uns hier umgibt, genießen. Nach einem netten Empfang am ersten Tag – mein Bruder zieht mit in mein Zimmer, die Eltern bekommen eine rustikale Cabina am Ortsrand – wird am nächsten Tag das Angebot angenommen, mit meinem Chef Yeudi eine Tour über die Finca seiner Familie zu machen. Ausgestattet mit Gummistiefeln und umhüllt von einer Wolke aus Autan (der Duft der Touristen), machen wir uns auf den Weg und kommen schon bald zu einer der natürlichen Attraktionen des Landes. Manche reisen für den Anblick eines Faultiers wochenlang durch Costa Rica. Wir finden es nur einen Steinwurf von meinem Haus entfernt. Ein wahrer Glücksgriff, denn uns zeigt sich sogleich eine ganze kleine Faultierfamilie: Ein, soweit das für ein FAULtier möglich ist, aktiv herumkletternder Vater und eine, ganz artgerecht, entspannt im Baum sitzende Mutter, die ihr Junges fest an sich drückt und somit nahezu unsichtbar macht für den ungeübten Beobachter:

"Hausfaultier"

„Hausfaultier“

ich glaub es übernimmt sich da gerade sehr..

ich glaub es übernimmt sich da gerade sehr..

Auch für mich birgt die Tour noch neue Geschichten und Beobachtungen. So erzählt uns Yeudi zum Beispiel, dass sie schon Nester von seltenen Vögeln mit Warnschüssen vor Wilderen schützen mussten. Oder zeigt uns ein Feld mit neu gepflanzten Bäumen, die, gerade mal vor einem Jahr angepflanzt, dank des perfekten Klimas hier, teilweise schon mehrere Meter hoch gewachsen sind. An vielen Stellen entdeckt unser persönlicher Guide noch besondere Pflanzen oder Vögel und weiß fast zu jedem etwas zu erzählen oder zu erklären. Schon beeindruckend, welch einen Wissensschatz er über die Flora und Fauna dieses Landes mit sich trägt. Am Ende der Tour gilt es dann noch das typisch costa ricanische Suchbild „Leguan im Baum“ zu lösen. Was nicht allen Mitgliedern der Reisegruppe ohne Zuhilfenahme der Kamera gelingt (die tarnen sich aber auch einfach gut, diese Tiere…).

na wer findet das Tier?

na wer findet das Tier?

nicht mal ein Jahr alt und schon so rießig

kein Jahr alt, schon so hoch

Den Rest der Woche genossen die Besucher dann einfach die Natur hier im Ort, gingen spazieren oder kurierten den Jetlag aus. Ich wurde des öfteren an meine ersten Tage hier erinnert, die mir ja alles andere als einfach fielen. Vielleicht hätte ich im Rückblick die Augen weiter öffnen sollen, um mich an dem natürlichen Reichtum meiner Wohnumgebung zu erfreuen, anstatt sich ob der natürlichen Abgeschiedenheit zu frustrieren. Dafür wurde diese Freude und Begeisterung nun durch meine Besucher noch einmal neu geweckt. Nebenbei erledigte der Besuch dann auch noch so praktische Arbeiten, wie das Anstreichen der Tür mit Anti-Schimmel-Farbe oder ähnliche Hausarbeiten – dafür machte ich doch dann gerne den Reiseführer!

Ansonsten hatten wir zusammen mit der Familie von Yeudi ein paar schöne Abende, ich konnte mich schonmal in meine neue Rolle als Dolmetscher einleben und so lebten wir den interkulturellen Austausch bei interessanten Gesprächen und besonders leckerem Essen aus. Am Ende der Woche waren dann auch für mich endlich die Ferien gekommen. Wohl schon lange nicht mehr ging eine ganze Arbeitswoche so schnell vorbei. Schon bald hieß es Abschied nehmen vom Tal und den lieb gewonnen Gesprächspartnern, in meinem Fall nur für zwei Wochen, für die anderen zumindest auf sehr viel Längeres.

Unser nächstes Ziel war die Touristenhochburg La Fortuna, eine knappe Stunde nördlich vom Valle Azul gelegen. Dank des bis vor kurzem noch aktiven Vulkans hat sich dort aus einem kleinen Dorf eine Stadt entwickelt, die vor Touranbietern und Hotels strotzt, aber dennoch recht angenehm ist. Nicht nur für uns eben ein perfekter Ausgangsort, um Costa Rica zu erkunden.

Wir verbrachten ein entspanntes Wochenende am Fuße des Vulkanes in einer netten Unterkunft, den Cabinas La Catarata, einem Partner von JAZON.

Kolibri beim Tanken

Kolibri beim Tanken

Neben ein paar kleinen Ausflügen zum nahe gelegenen Fluss und zum Eingang zum Wasserfall (weiter kamen wir nicht, da man eine zweistündige Wanderung natürlich nicht erst um 17 Uhr abends beginnen sollte…) sah der Reiseplan eigentlich auch einen Ausflug zu den Arenal Hanging Bridges vor. Einer Anlage mit mehreren Hängebrücken, die auf Höhe der Baumwipfel eines Nebelwaldes verlaufen. Das Wetter, nun kam er nämlich doch, der Regen, machte uns aber an allen Tagen einen Strich durch die Rechnung. Dank Internet und Reiseführer fanden wir dann doch noch eine Alternative und besuchten das Ecocentro Danaus. Und waren im Nachhinein fast froh, dass uns das schlechte Wetter zu diesem Besuch verleitete: Denn hier hatten wir einen perfekten Einstieg in unsere Rundreise durch die costa-ricanische Flora und Fauna gefunden. Mit einem witzigen Guide durchstreiften wir das Reservat auf der Suche nach Helikonien, Orchideen und weiteren typischen Baum- und Pflanzenarten. Außerdem führte der Weg vorbei an Faultieren, die in den Bäumen hingen (und manchmal wohl sogar die Tragkraft eines Astes falsch einschätzen und einkrachen, aber ohne das wirklich etwas passiert…), Fröschen die sich tagsüber in zusammengerollten Blättern verstecken, Fischreihern, die eng zusammengekuschelt einen Regenguss abwarten oder riesigen Leguanen, die es auf der Suche nach der besten Sonneneinstrahlung auf die obersten Äste riesiger Bäume verschlagen hat. Teil dieses Zentrums war außerdem ein Schmetterlingsgarten (allein dafür zahlt man hier im Land häufig schon hohen Eintritt). Die Mitarbeiter und Freiwilligen des Ecocentros hüten und züchten hier viele verschiedene Schmetterlingsarten in allen Farben und Größen, die man sich nur vorstellen kann. Unser Besuchergrüppchen durfte nun mithelfen, die sich fleißig vollfressenden Raupen auf neue Zweige umzusiedeln, damit sie auch diese wieder abfressen können bis es dann in den Status der Verpuppung geht. Alle diese Schritte konnten wir an lebenden Beispielen nachvollziehen – bishin zu den schon ausgewachsenen Exemplaren, die durch den Garten flatterten. Mit dabei riesige blaue Schmetterlinge, kleine rote, gut getarnte und so weiter. Seht selbst:

er mochte gelbe Regenschirme ;)

er mochte gelbe Regenschirme 😉

nimmersatt!

nimmersatt!

njam njam

njam njam

keine Manieren!

Okay, beim Essen fotografieren ist gemein!

Nach diesem tollen ersten Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt Costa Ricas waren wir also gewappnet für den restlichen Teil unserer Reise. Am Sonntag vor Heiligabend verließen wir dann La Fortuna in Richtung der nördlichen Pazifikküste. Die Fahrt, die erste längere in unserem treuen Bego, verlief dann aber alles andere als wie an einem Stück. Dank einer deutschen Bäckerei sowie einer Microbrewery wurden wir zwei Mal aufgehalten, um erst eine deftige Jausenplatte (ich bin ausgeflippt, ob dieser Käse- und Wurstauswahl und dem dazugehörigen Brot!) und später dann ein Biertasting durchzuführen. Was für eine Fahrt!

unser treues Gefährt

unser treues Gefährt

Prösterchen!

Prösterchen!

"wer stört hier mein Sonnenbad?!"

„wer stört hier mein Sonnenbad?!“

…weiter geht’s in Teil 2 von pura vida Reisefieber!

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Ein Kommentar

Verfasst von - 26. Januar 2013 in Reiseberichte

 

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Eine Antwort zu “pura vida Reisefieber I

  1. ingaxmann

    27. Januar 2013 at 11:37

    Mal wieder ein sehr lesenswerter und unterhaltsamer Bericht! Ich freu mich schon auf die Fortsetzung. Liebe Grüße aus Hamburg!

     

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