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Von Neuem ins Abenteuer

05 Dez
Von Neuem ins Abenteuer

Knapp drei Wochen hat dieses wunderschön verrückte Land mich nun schon wieder. Es wird Zeit, euch einen Einblick zu geben in meinen Arbeitsalltag und das Leben drumherum. Denn hier hat sich in allen Belangen etwas getan – in diesem Sinne war es ein regelrechter Neustart für mich. Allein schon wettertechnisch. Wer nicht viel Zeit hat, dem sei mit einer kurzen Benennung der Veränderungen geholfen: Sehr viel Regen, ein neues Zimmer in alter Umgebung, sehr viel starker Regen, ein neues Büro, sehr viel Feuchtigkeit, mehr Arbeit inklusive mehr Motivation und zu guter Letzt ein paar kräftige Sonnenstrahlen. (Wem diese Aufzählung nun aber wirklich schon genügt und annehmen lässt: der Rest wird langweilig, den straft womöglich ein neuer Bekannter von mir: der costaricanische Wettergott!)

Nun zum ausführlicheren Teil.

Das Arbeitsumfeld: Mit, mal mehr, mal weniger großer Freude durfte ich, wie vor einiger Zeit beschrieben, in meiner Anfangszeit hier Hammer und Pinsel schwingen und fleißig am Bau des neuen Büros meiner Organisation mitarbeiten. Die Baustelle hat nun ihr (vorzeitiges) Ende gefunden und die neuen Räume wurden bezogen. Nach meiner Rückkehr standen schon alle Möbel bereit und ich fand mich, ob ich wollte oder nicht, auf meinem ollen Bürostuhl wieder, der sogleich meiner Körperkoalition Nacken – Rücken – Hintern (nicht zu verwechseln mit Bauch, Beine, Po!) den Krieg erklärte. Mein Platz war erneut die Recepción des Büros, direkt am Eingang gelegen, was mir mal frostigen und sonst eher angenehmen Durchzug beschert(e). In kurzer Bürostuhl-Rollweite liegen die Büros von Chef Yeudi (die Dirección) und Kollege Wilson (das Comisariato). Umgeben werden wir alle von handgestrichenem Holz und edel anmutendem Fließenboden. Nur der graue Beton der Grundmauern stimmte nicht in die allgemeine Wolfühlatmosphäre des Oficinas mit ein. Da halfen selbst großzügig verteilte Spritzer der Holzfarbe nichts – ja selbst bis nach Costa Rica verfolgt mich der Herr Tollpatsch mit seinen lustigen Aktionen!

Doch nicht nur das Umfeld in dem ich meine freiwillige Arbeit verrichte hat sich verändert, nein, selbst die Arbeit selbst überzeugt den – bisweilen zu – kritischen Voluntario. Zwar wurde die ruhige tranquilo-Mentalität nicht vom Dauerregen weggespült, aber die Arbeitsintensität hat sich doch deutlich erhöht. So war ich bisher damit beschäftigt dem, wie ich es getauft habe, digitalen Klinkenputzen nachzugehen: Ich setze mich auf den drei Sprachen, die ich (auch dank Gehilfe Mr. Google) mehr oder weniger beherrsche (ihr dürft euch jetzt aussuchen, welche mehr und welche weniger!), mit Reiseagenturen auf der ganzen Welt in Verbindung, um ihnen unser Angebot des turismo rural comunitario schmackhaft zu machen (für die Anti-Castellanos unter euch auch umständlich ländlicher gemeindebasierter Tourismus 😉 ). Na gut, nicht der ganzen Welt, denn unsere asiatischen Freunde fotografieren wohl immer noch lieber den Kölner Dom, als Vulkane und Faultiere.          Daneben stehen hin und wieder kleinere Übersetzungsarbeiten an, zumeist für die neue Hompage, die für Costa Rica Rural Tours im Moment erstellt wird. Nachdem der vorherige Dienstleister trotz guter Bezahlung und mehreren Aufforderungen weder selbst die Seite aktualisierte, noch uns einen entsprechenden Zugang verschaffte, wurde nämlich kurzerhand eine andere Agentur damit beauftragt, einen neuen Webauftritt zu erstellen. Diese, und damit auch meine dafür angedachten Arbeiten, geraten nun aber auf der Zielgerade ins stocken: Die alte Agentur gibt, trotz zahlreicher Anrufe und Mails, die Domain nicht frei, unter der auch der neue Webauftritt laufen soll. Da muss wohl jemand sehhr eingeschnappt sein (wem das jetzt zu viel Webdings und Agenturbla war: Beleidigte Leberwurst gibt Platz für motivierten Queso in der Internet-Frischwaren-Verkaufstheke nicht frei – ich hoffe dieses delikatesse Bild stellt den Sachverhalt anschaulicher dar…).         Uns hemmt dieses Problem natürlich in der Öffentlichkeitsarbeit, die in Zukunft via Internet noch sehr viel mehr intensiviert werden soll.

Überraschend ist aber für mich immer wieder, mit welcher Gelassenheit und Freundlichkeit, auch solche äußerst ärgerlichen Themen behandelt werden. Zwar wurde mein Chef im Gespräch mir der „beleidigten Leberwurst“-Agentur schon barscher (gibt es eigentlich noch mehr Fische, die Namensgeber für ein Adjektiv sind?), in Deutschland hätten die betreffenden Personen aber wohl schon bald schon Klagen und Verfügungen am Hals. Ich schaffe es ebenfalls mehr und mehr, mich wieder an diese Mentalität anzupassen. Allein, weil sich mit ihr das Leben im ruhigen Valle viel besser gestalten lässt…und da wären wir auch gleich beim nächsten Thema: Dem leicht veränderten…

Wohnumfeld: Statt rosa, gelber und blauer Wand, umgibt mich nun blaue, gelbe und rosa Wand. Überhaupt hat sich eigentlich nicht wirklich viel an meiner Wohnsituation verändert. Aber noch nicht abschalten, immerhin habe ich eine Zimmerspiegelung zu vermelden! Dank dem Umzug ins neue Büro, ist in meiner Unterkunft, dem ehemaligen Büro eben, ein weiteres Zimmer frei geworden, in das ich nun umgezogen bin. Abgewandt von der lauten Straße. Und, auch wenn ich mein altes Zimmer quasi eben nur ein mal gespiegelt habe, war es doch passend, den oben angesprochenen Neustart, mit einem kleinen Raumwechsel zu unterstreichen. So konnte ich, auf schon bekanntem Grund, mein Hab und Gut neu ordnen und mein Zimmer einfach noch einmal von Neuem gestalten. Mir hat das sehr geholfen, die Wohnlichkeit zu steigern. Es ist schon interessant, was leichte Veränderungen, wie das Aufstellen von Fotos oder die Ordnung von Büchern und Klamotten (jetzt wird’s spießig…), die Zufriedenheit beim Betreten der eigenen vier Wände steigern. Zugleich konnte ich (hoffentlich) auch die sado-masochistischen Züge meiner  Haut zurückweisen, indem ich die Faulheit besiegte, die mich bisher daran hinderte einen Aufhänger für das MÜCKENNETZ in die Decke zu drehen und dasselbe daran dann auch noch zu befestigen! Auch wenn ich zugeben muss: Mitbewohner und Mentor Eduardo hat das schließlich für mich erledigt…

Dieser Wolfühleffekt hat zusammen mit der endlich vollzogenen Trennung von Wohn- und Arbeitsraum also schließlich dafür gesorgt, dass mein Zimmer zu dem geworden ist, was es sein sollte: ein angenehmer Rückzugsort. An dem ich neuerdings aber kein Internet mehr habe (der Router ist mit ins neue Büro umgezogen) – nach anfänglicher Skepsis will ich dies nun dabei belassen, denn es tut mir glaube ich nicht schlecht (absichtlich eingebauter Fehler!), ein paar Stunden abseits der weltenumspannenden Kommunikationszentrale zu verbringen. Irgendwo muss ja mal der Verzicht durch freiwillige Arbeit in einem sogenannten Entwicklungsland anfangen ;-).

Nun aber genug über Zimmerliebe und Co. – nicht das ihr mich noch für raumophil haltet! Wie ihr seht und lest, geht es mir grundsätzlich gut. Das sehr feuchte Wetter, das teilweise für tageweise (reimreimreim) Regen sorgte, hat sich etwas beruhigt. Zuvor ließ es mich wahrhaftig frieren, sodass ich in langer Hose und Jacke im Büro saß – nie hätte ich gedacht, dass es einmal soweit kommt! Nun lässt sich seit ein paar Tagen aber auch regelmäßig wieder die Sonne blicken und bildet meinen Schneeersatz (klingt unlogisch, ich merk’s…). In den kühleren Tagen musste ich geübter Warm- bzw. eher Heißduscher, zwar hin und wieder ein paar Hasstiraden in Richtung der kalten Dusche am Morgen loswerden. Sie konnte es mir aber mittlerweile verzeihen und kühlt mich nach warmen Nächten angenehm ab und vertreibt die negativen Gedankenwolken, die an so manchen Morgenden nach dem Aufstehen versuchen, mir den Blick auf die Schönheit meiner Umgebung und die tolle Chance, die ich hier bekomme, zu nehmen. Natürlich bin ich weiterhin nicht frei von allen Zweifeln, die Gedanken fliegen schnell und unkontrolliert weiter in alle möglichen Himmelsrichtungen des Stimmungs-Kompasses. Aber ich habe mittlerweile etwas besser verstanden, sie einfach mal fliegen zu lassen und gespannt zu warten, was am Ende zurückkommt.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen, die ihr mir folgt, eine schöne Vorweihnachtszeit. Genießt ein paar gemeinsame Stunden mit euren Liebsten – man merkt meist erst, wie viel man an ihnen hat, wenn man weit weit weg ist!

Ich habe das tolle Privileg, bald einen großen Teil meiner Liebsten – nämlich meine Eltern und meinen Bruder – hier in Costa Rica willkommen zu heißen und mit ihnen das Land von Nord nach Süd und von West nach Ost zu erkunden. In wenigen Tagen steigen sie in den Flieger zu mir – auch das vertreibt so manche dunkle Stimmungswolke.

Hoffentlich war der Bericht für euch nicht so staubtrocken, wie es das Wort impliziert. Kommentiert und schreibt mir immer weiter fleißig! Ich habe zwar kein Internet mehr auf dem Zimmer und reichlicher im Büro zu tun (wir sagen hier mit Augenzwinkern: trabajando como una bestia – arbeitend, wie eine Bestie), aber das heißt noch lange nicht, dass ich mir hin und wieder die Zeit nehme, mit Deutschland, Kamerun, Kambodscha, Georgien, Ghana, China, Niederlande, Österreich, Spanien, Kanada, den USA, Italien, Nicaragua, Großbritannien, Australien, Schweiz, Russland, Schweden, Tschechien und Südafrika zu kommunizieren – denn aus all diesen Ländern kommt, laut meiner Nutzerstatistik, ihr Leser – klingt toll, was? Finde ich auch und macht mich froh zu wissen, dass ihr an meiner Geschichte ein bisschen Interesse habt! Danke!

Saludos cordiales de Costa Rica!

Hier noch ein Bilder von der neuen Arbeitsumgebung. Fotos vom neuen Zimmer findet ihr unter Autor Links zu allen Seiten mit regelmäßigen Foto-Updates und meinen ersten Zwischenbericht zum Download findet ihr weiterhin im rechten Menü.

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3 Kommentare

Verfasst von - 5. Dezember 2012 in Berichte

 

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3 Antworten zu “Von Neuem ins Abenteuer

  1. Jannis

    5. Dezember 2012 at 13:21

    Schöner Bericht, du Hecht!

     
  2. Suni

    5. Dezember 2012 at 16:29

    Hast auch Leser aus Costa Rica 😛
    schoen schreibst du! besonders erheiternd die (reimreimreim)-Anmerkung 🙂

     
    • kuempsi

      5. Dezember 2012 at 16:59

      Da lese ich die Aufzählung drei Mal durch, um bloß kein Land falsch zu schreiben und übersehe dabei doch glatt, dass ich das wichtigste Land vergessen habe 😉 Also natürlich hiermit auch ein liebes Dankeschön an alle Tic@s und möchtergern-Tic@as, die sich hier aufhalten!
      🙂

       

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