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Erdbeben, was geht’n…

26 Sep
Erdbeben, was geht’n…

Hier kommt nun endlich die versprochene kurze Schilderung von meinem „Erdbeben-Erlebnis“.

Mittwoch, 5.September. Morgens früh, ich habe gerade meinen Platz an der Rezption des kleinen JAZON-Büros eingenommen. Die Augen schweifen vom Laptop-Bildschirm auf Flyer von Hotels und eine große Costa Rica Karte. Ich will an einem Reisepaket weiterarbeiten für eine Reisegruppe, die in ein paar Monaten das Land kennenlernen wil. Dann plötzlich fühle ich mich kurz wie betrunken, alles scheint zu schwingen, mein Kopf benötigt ein paar Sekunden um wieder klar denken zu können. Er muss aber keine schnelle Antwort finden, die gibt das Rütteln und Wackeln im Anschluss von ganz alleine. Ich bin überrascht, aber nicht beunruhigt. Fast eher belustigt – komisches Gefühl. Das muss wohl ein Erdbeben sein denke ich mir ganz einfach. Mein Blick wandert nach rechts, den Gang entlang zum Büro meiner beiden Kollegen. Die beiden realisieren sofort was gerade passiert und wie wir reagieren müssen. Sie kommen aus ihrem Büro machen mir eindeutig zu verstehen, dass wir das Gebäude schnellstens verlassen müssen. Erst jetzt wird mir bewusst, dass das alles hier gerade gar nicht so amüsant ist. Also schnell den Laptop zugeklappt und noch schnell das Handy eingesteckt, beim Feuerprobealarm in der Schule hat man doch auch nie einfach alles so stehen und liegen gelassen. Dann aber schnellen Schrittes hinaus auf den Schotterplatz vor dem Büro. Die Erde bebt noch immer.

„Und dann wurden wir so durchgerüttelt!“

Diese Beschreibung versende ich wohl in den Stunden und Tagen danach am häufigsten quer durch die Welt, nach Deutschland, China oder Kamerun. Und sie trifft es für mich auch am besten: Nachdem ich die Schwingungen spürte, hatte man das Gefühl, dass jemand mit einem überdimensionalen Presslufthammer um einen herum arbeitete. Für eine halbe Minute (oder war es doch mehr?) ging dieses Rütteln mal mehr, mal weniger heftig weiter. Dann Ruhe. Die Schwingungen vom Anfang kamen wieder. Und die Verwirrung in meinem Kopf auch: Soll ich jetzt lachen und es unfassbar irre finden so etwas erlebt zu haben? Soll ich lieber froh sein überlebt zu haben? Aber das war doch jetzt kein schlimmes Beben oder? Während ich noch nachdenke, eilt mein Chef mit seinem Kollegen zu seinem Haus nebenan. Die verstörten Kinder beruhigen, die sich wohl doch heftig erschrocken haben. Ich gehe wieder ins Büro, immer noch mit einem Gefühl in den Beinen, als hätte ich gerade ein paar Whisky hinter mir. Erst ein Blick ins World Wide Web führt mir vor Augen, wovon ich gerade Zeuge geworden bin: Einem der heftigsten Erdbeben der letzten Zeit. Und einem der stärksten in Costa Rica seit vielen Jahren. 7,5 war die Zahl mit der verschiedenste seismologische Institute das Beben nachher rein wissenschaftlich beschrieben. Zahlreiche zerstörte Häuser und Straßen im Großbereich um das Epi-Zentrum waren das Zeugnis des Bebens in der Realität.

Und auch in anderen Teilen des Landes waren die Auswirkungen spürbar: Bei uns, keine 200 km vom Epi-Zentrum entfernt, fiel kurze Zeit später der Strom und damit auch die Internetverbindung aus. Gut, dass ich zuvor schnell noch ein paar Lebenszeichen in die Heimat schicken konnte. Selbst in San José, dass weniger stark das Beben zu spüren bekam, brachen wohl Massenpaniken aus und Häuser wurden beschädigt. Leider forderte der Zusammenstoß zweier tektonischer Platten, gut 40 km unter der Erdoberfläche, auch zwei Todesopfer hier in Costa Rica. Tausende Leute mussten aus Krankenhäusern, Schulen und Hotels evakuiert werden. Auch im nördlich angrenzenden Nicaragua waren Tausende betroffen.

Und ich? Ich fragte mich, wie es kam, dass ich so ruhig blieb und das ganze eher als „lustig“ angesehen hatte. Angst hatte ich keine. Sorgen habe ich mir auch nicht groß gemacht. Man muss wohl erst einmal mitbekommen, was für Folgen ein solches Beben haben kann. Was man nicht kennt, beunruhigt einen doch nicht immer sofort. Vielleicht konnte ich es auch einfach nicht realisieren, warum in diesem Moment plötzlich dieses Rütteln auftauchte und das Schild vor der Tür ins Schwingen brachte. Zumindest weiß ich jetzt, was zu tun ist, wenn ein Nachbeben oder ein nächstes Erdbeben mich noch einmal trifft: Ganz schnell das Gebäude verlassen und anschließend erstmal die Arbeit ruhen lassen! 😉 Nachbeben gab es übrigens auch über tausend Mal, manche sogar bis zu einer Stärke von 4-5. Gespürt habe ich die dann nicht mehr. Vielleicht kamen sie ja auch gerade, als ich mir eines der seltenen Feierabendbiere gönnte und die ein oder andere Schwingung sowieso nicht mehr wahrnahm..

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3 Kommentare

Verfasst von - 26. September 2012 in Szenen

 

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3 Antworten zu “Erdbeben, was geht’n…

  1. Arnulf

    26. September 2012 at 13:22

    Lieber Joscha, woher weisst Du eigentlich, wie man sich nach ein paar Whisky fühlt? Beeindruckende Schilderung jedenfalls! Liebe Grüße Arnulf

     
    • kuempsi

      27. September 2012 at 05:20

      Das mit dem Whisky muss ich wohl mal irgendwo gelesen haben.. Liebe Grüße zurück!

       
  2. Marion Mohrmann

    27. September 2012 at 18:31

    Hallo Joschi, das war wirklich eine interessante Schilderung des Bebens. Gut, dass Du alles so locker sehen kannst. Bleib so optimistisch! Die Fotos finde ich auch super!
    Much love Mari

     

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