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1 Monat Costa Rica

17 Sep

Der erste Monat meines Aufenthaltes in Costa Rica liegt nun hinter mir. War das NUR ein Monat? War das SCHON ein Monat? – Mal fühlt es sich so an, als würde ich schon viel länger hier in Mittelamerika leben, aber dann gibt es auch das Gefühl, gerade vorgestern erst angekommen zu sein.

Nachdem ich euch im letzten Eintrag einen recht schonungslosen Einblick in meine noch sehr durchwachsene Gefühlswelt gegeben habe, wird der Tenor des heutigen Artikels doch etwas positiver sein. Zwar weist meine Stimmungskurve immer noch Schwankungen nach oben und unten auf, insgesamt ist es mir doch aber gelungen mich hier einzuleben und einzugewöhnen – soweit dies überhaupt in einem Monat möglich ist.

Mittlerweile schaffe ich es, mich selber aus den Tiefphasen heruszuholen, ohne immer den Kontakt in die Heimat zu suchen oder ähnliches. Die Ruhe des ländlichen Lebens hier im Valle Azul de San Ramón hat insbesondere meinen Kopf dazu verführt seinen Erinnerungsmechanismus in Touren zu bringen: Falls sich mal keine Gedanken über Reiseprogramme, englische oder spanische Vokabeln oder den nächsten Einkauf gemacht werden müssen, scheint er nämlich nicht nur den erlebnisreichen Monat hier noch einmal Revue passieren zu lassen, nein, gefühlt mein halbes Leben wollte bisher reflektiert und neu betrachtet werden. Für mich, der eigentlich nicht das beste Gedächtnis hat, falls es nicht gerade um Fußball geht ;), ein sehr komisches, aber nicht minder interessantes Vorgehen. Ohne gleich groß von Selbstfindung und anderen Spirituosen äähh Spiritualitäten quatschen zu wollen, zeigt sich mir doch, dass es eben einen gewissen Abstand von seinem bisherigen Alltag benötigt, um sein, bisher eigentlich noch recht kurzes, Leben reflektieren zu können und, das kommt dann wohl im nächsten Schritt, auf die Zukunft auszurichten.

Klingt als hätte ich sonst nichts zu tun, außer im Regen zu stehen und nachzudenken? Ok, dann werde ich dem mal etwas entgegensetzen: Neben dem Haushalts-Alltag, der in so einem Zwei-Personen-Haushalt doch recht viel Zeit einnimmt (das übliche halt: Spülen, Putzen, Fegen, Aufräumen – ich entdecke bisher eine nicht gekannte Ordentlichkeit, was mein Wohnumfeld betrifft!), habe ich von Montag bis Freitag natürlich auch noch meinen Arbeits-Alltag zu bewältigen. Soweit man denn von „Alltag“ sprechen kann:

Grob gesagt habe ich zur Zeit zwei Arbeitsfelder zu beackern: Einmal die Baustelle der neuen „JAZON-Hauptzentrale“ (hiesige Bezeichnung: ‚Rancho JAZON‘), auf der ich quasi den Job des Hilfsarbeiters ausfülle – anreichen von Baumaterial, Baumstämme schleppen, Sägen, Messen usw. Dieser Job hat in mir auf jeden Fall eine Art Heimwerker-Leidenschaft entwickelt, die wohl auch teilweise erblich bedingt in mir schlummerte. Ich finde es ein super Gefühl, sich sein Haus quasi von Grund auf selbst zu bauen. Oder in diesem Falle halt seine Arbeitsstelle. Mit Holz aus dem eigenen Land und Muskelkraft des sonst vor den Laptops im Büro vor sich hin vegetierenden Tourismus-Vermittlers ;). Gleichzeitig auch eine hervorragende Möglichkeit das entsprechende spanische „Heimwerker-Vokabular“ zu erlernen. Wenn die Baustelle dann allerdings mal ruht bzw. wenn die Mails und Anfragen aus aller Welt, oder zumindest aus Europa und Lateinamerika, doch zu laut nach Aufmerksamkeit schreien, verlagert sich mein Arbeitsplatz nur wenige Meter weiter in das aktuelle Büro von JAZON (Bilder von hier findet ihr unter „Autor„). Dort liegt die Hauptarbeit dann sozusagen „im“ Laptop. JAZON vermittelt ein- oder mehrtätige Touren, vorzugsweise im nördlichen Teil Costa Ricas, aber auch richtige lange Rundreisen in denen man mehr oder weniger das ganze Land kennenlernen kann. Wenn dann also Privatpersonen oder eine Reiseagentur Interesse an einem Angebot hat, beginnt für uns die Arbeit: Entweder heißt es nur eine Reservierung für eine schon vorhandene Tour oder Reise zu bestätigen, die Preise zu berechnen und zu buchen oder aber, bei individuellen Wünschen gleich ein ganz neues Reisepaket zusammenzustellen. JAZON hat in erster Linie feste lokale Partner (Touranbieter, Hotels/ Cabinas, Restaurants..) deren Angebote dann in die Reise-Pakete eingearbeitet werden. Meine Arbeit besteht also darin, die mal vorhandenen, mal zu erstellenden oder zu suchenden, Beschreibungen, Fotos und sonstige Infos zu einem ansehnlichen Dokument zu verarbeiten, mit dem der Interessent dann überzeugt werden soll, diese Reise auch zu buchen. Das findet dann je nach Herkunft auf Spanisch oder Englisch statt. Oder auf Deutsch, kam bisher aber noch nicht vor. Da ich leider immer noch nicht dazu gekommen bin mein Spanisch zu „verflüssigen“, liegt meine Hauptaufgabe doch eher auf der Beantwortung der englischsprachigen Anfragen und Mails.
Soviel zu meinem Arbeitsalltag. Zwar merke ich gerade, dass ich mich an ein paar Stellen mit Blick auf den letzten Eintrag wiederhole, aber ich glaube, dass ich heute schon etwas mehr ins Detail gehen konnte. Ich kann vielleicht noch hinzufügen, dass ich mich bisher nicht mit meiner Arbeit überfordert fühle, weil eigentlich nie mal mehr als ein zwei anspruchsvollere Anfragen pro Woche hereinkommen. Nur an größeren Rundreisepaketen sitzt man dann schon mal ein paar Tage. Durch die Abwechslung mit der Arbeit auf der Baustelle bin ich aber doch einigermaßen zufrieden mit meinem Arbeitsalltag mittlerweile. Ich schaffe es mehr und mehr meine eigenen Ansprüche, die wohl noch auf dem „typisch deutschen“ Arbeiten beruhten, zu reduzieren und damit anzupassen an die hiesige Arbeitsweise. Denn Arbeitspläne oder dergleichen sind eher schwer zu machen, heißt es am Abend noch morgen früh geht es auf die Baustelle finde ich mich dann am besagten Morgen doch vor dem Laptop wieder. Das ganze ist sicherlich meiner Spontanität und Anpassungsfähigkeit auf lange Sicht sehr zuträglich! Zusätzlich zu diesem Bereich schaue ich mich auch noch um, ob ich in meiner freien Zeit vielleicht im Bereich Englisch-Unterricht geben oder dergleichen tätig werden kann. Möglichkeiten gibt es da, vielleicht erfahrt ihr dann im nächsten Eintrag schon mehr! Außerdem hoffe ich dann bald auch mal die ein oder andere Tour, die wir vermitteln, selbst zu begleiten. Ob als Tourist, Beobachter oder Aushilfs-Guide. Anfang Oktober habe ich zum Beispiel die Möglichkeit, wenn eine Gruppe Deutscher zu einem landestypischen Kochunterricht kommt.

Ein Monat ist es nun also her, dass ich Deutschland den Rücken zugekehrt habe. Aus den Anfangszweifeln bezüglich des Lebens und der Arbeit hier im kleinen Valle Azul ist etwas mehr Optimismus gewichen. Die Zweifel an meiner Entscheidung werden geringer. Auch wenn ich mich vielleicht auf speziell auf meine Situation dann doch nicht so gut wie erwartet vorbereitet und informiert fühlte.

Bald hört ihr dann von mir auch noch, wie schon im letzten Artikel angekündigt, wie ich das heftige Erdbeben hier erlebt habe – eventuell zusammen mit noch ein, zwei weiteren kurzen Szenenbeschreibungen in einer neuen Rubrik, in der ich euch möglichst erlebbar ein paar „Alltagszenen“ wiedergeben möchte. So sieht der Plan aus – aber der wurde in Costa Rica geschmiedet, als seid gespannt, was daraus wird! 🙂

Zum Abschluss noch ein paar fotografische Eindrücke von meinem Leben hier – hat ja nicht jeder Facebook und kann die dort anwachsende Foto-Sammlung verfolgen!

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Ein Kommentar

Verfasst von - 17. September 2012 in Berichte

 

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Eine Antwort zu “1 Monat Costa Rica

  1. Agnes Axmann

    19. September 2012 at 17:10

    Lieber Joschka,
    mit Interesse habe ich deinen Bericht gelesen. Du schreibst sehr gut und differenziert und ich kann mir, glaube ich, vorstellen , wie es dir in etwa so geht. Die Umstellung ist bestimmt nicht einfach, aber mit deiner grundsätzlich positiven und optimistischen Einstellung wird es bestimmt ein spannendes und gutes Jahr. Danke auch, dass du deine Berichte und Bilder per email direkt schickst, so schau ich eher mal rein.
    Dir alles Gute, freu mich auf weitere Berichte!
    Liebe Grüße
    Agnes

     

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